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Hitzewellen

Im vergangenen Jahrzehnt gab es besonders zerstörerische Hitzewellen an mehreren Orten auf der Welt. Zugleich handelte es sich um die wärmste Dekade seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 100 Jahren. Wie hängen diese beiden Beobachtungen zusammen?

Als Hitzewelle bezeichnet man das Vorherrschen außergewöhnlich heißer und häufig feuchter klimatischer Verhältnisse über einen längeren Zeitraum. Es gibt keine universelle Definition für diese Verhältnisse, denn was in einer Region als besonders heiß gilt, ist in einer anderen normal. Hitzewellen können viel Schaden anrichten, wie sich 2010 in Russland gezeigt hat: Allein in Moskau starben 11.000 Menschen, die meisten an einem Hitzschlag. Der Körper kann dann seine Temperatur nicht mehr regulieren und wird zu heiß, dadurch versagen lebenswichtige Organe. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. 30 Prozent der russischen Ernte wurde vernichtet, so dass die Regierung die Weizenexporte stoppte. Während der europäischen Hitzewelle 2003 starben 1000 Menschen in Deutschland und mehr als 50.000 auf dem ganzen Kontinent.

Hitzewellen gab es natürlich schon immer. Doch wenn die Durchschnittstemperatur nur ein wenig steigt, erhöht sich ihre Anzahl überproportional. Folgt man diesem simplen Prinzip, ist zu erwarten, dass mit der globalen Erwärmung auch die Zahl extremer Hitzeperioden steigt. Untersuchungen bestätigen dies: Vor allem in Europa, und hier speziell in der östlichen Mittelmeerregion, hat sich die Länge und damit auch Intensität der Hitzewellen seit 1960 fast versechsfacht.

Bedeutet das, dass der Klimawandel für die europäische Hitzewelle von 2003 verantwortlich ist? Darauf kann die Wissenschaft nicht mit Ja oder Nein antworten. Es gibt einerseits natürliche Gründe für Schwankungen, manche Sommer sind heißer als andere. Andererseits ist da der menschliche Einfluss durch den Ausstoß von Treibhausgasen (siehe Thema CO2 und Klimawandel). Mit Hilfe von Klimamodellen können Wissenschaftler jedoch die Frage beantworten, ob die Hitzewelle von 2003 ohne menschliches Zutun möglich gewesen wäre. Und sie haben herausgefunden, dass ein so heißer Sommer auf natürlichem Wege nur einmal in tausend Jahren vorkommt. Rechnet man nun den menschlichen CO2-Ausstoß mit ein, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich heißer Perioden um das vierfache: Alle 250 Jahre ist dann damit zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hitzewelle von 2003 mit der globalen Erwärmung zusammenhängt, liegt also bei 75 Prozent. Erwärmt sich das Klima in den kommenden Jahrzehnten weiter, könnten Temperaturen wie die von 2003 im Sommer 2040 ganz normal und am Ende des Jahrhunderts vergleichsweise kühl sein!